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Praktikum / Jobs / Stellen

Praktikumsstellen

Es ist nicht immer leicht einen (geeigneten) Praktikumsplatz zu finden und wenn dieser dann auch noch Spaß machen soll wird es manchmal noch schwerer!

Deshalb haben wir uns gedacht, dass man hier die eigenen Praktika vorstellen kann: also wer in letzter Zeit ein Praktikum absolviert hat und etwas darüber erzählen möchte, kann das gerne tun.

Innsbruck

Tiroler Volkskunstmuseum by Sabine Merler

Hatte dort eine Praktikumsstelle im SS 2011, 6 Wochen, 168 Stunden. Entlohnung: Taschengeld von 375 €. Tätigkeit: Prinzipiell die Erfassung, Beschreibung, Bestichwortung und Katalogisierung von Objekten mit Hilfe von Literatur und Internetquellen anhand der Archivierungssoftware M-Box. Habe Objekte aus vielen verschiedenen Themenbereichen bearbeiten dürfen, darunter diverse Textilien (Trachten, Kleidungsstücke, Tisch-, Bettdecken, usw.), Handarbeitsutensilien, Puppen und Puppenkleidung, Schmuck, Kassetten, ein Sessel, Gegenstände aus dem religiösen Bereich (zu den Kategorien Wallfahrt, Andacht, Gebet, Sakramente) und Objekte zur Erinnerungskultur. Erklärungen, Hilfestellungen und Unterstützung immer vorhanden. Sehr gute Betreuung, Einblick in Museumsarbeit, in Aufbau und Systematik, Depots, aber auch in Problematiken und Schwierigkeiten bei Sammlung, Aufbewahrung, Archivierung, Katalogisierung und Ausstellung von Objekten. Sehr gutes Arbeitsklima, sehr viel Spaß an der Arbeit, sehr abwechslungs- und lehrreich. Absolut zu empfehlen!

Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum by Lukas Filzer

Praktikum in der Bibliothek des Ferdinandeums, Innsbruck. Wunderbare Betreuung in einer kleinen Mitarbeitergruppe, in 1,5 Monaten nie Langeweile (auch wenn die klassischen Praktikantentätigkeiten wie die Revision auch zu machen warne) und viel gelernt über die Arbeit in einer kleineren Bibliothek, etc. etc. Geld darf man sich nicht viel erwarten außer einer Aufwandsentschädigung.
Zur Bewerbung einfach eine Email und/oder persönlich hingehen!

ORF Tirol/Abteilung Kultur by Lisa Reinthaler

Machte dort ein 8-wöchiges Praktikum im Sommer 2007 (in meinem Fall ein Pflichtpraktikum). War etwas schwierig, an die Stelle ranzukommen, deswegen mein Tipp, direkten Kontakt zu einer/m RedakteurIn/AbteilungsleiterIn aufzunehmen. Während des Praktikums wurde ich dann sehr gut betreut, bekam viele Einblicke in die Radio- & TV-Arbeit & auch schnell die Möglichkeit, selbständig zu arbeiten (Verfassen eigener Radio-Beiträge, Interviews, Moderationen, Einführung in Schnittprogramme). Das Ganze aber natürlich unbezahlt.

Tirol

Jugendzentrum park inn, Hall, by Antonia Franckenstein

Das Praktikum selbst hat 3 Monate gedauert (habe dort 2 gemacht, heißt: hat dann auch dementsprechend länger gedauert!). Wurde in alle Bereiche einbezogen, sei es Jugendarbeit im offenen Betrieb, Mädchenarbeit, Kulturarbeit oder auch in der generellen Organisation des Jugendzentrums. Ich wurde von den Mitarbeitern sehr gefördert, sei es, dass ich eigene Projekte verwirklichen konnte (zum Beispiel Veranstaltungen, vor allem im Bereich der Mädchenarbeit, aber auch Projekte mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund), oder dass ich bei Weiterbildungen teilnehmen konnte! Ich konnte hier die verschiedensten Jugendkulturen und deren Themen hautnah miterleben! Mir hat das Praktikum sehr gut gefallen! Habe dort nichts verdient! Habe mich bei der Leitung beworben, und dann noch mal bei dem Team selbst, die dann drüber abgestimmt haben, ob sie mich wollen. Am besten einfach mal dort oder auch in anderen Jugenzentren anrufen in den Öffnungszeiten und einen Termin ausmachen!

MOLE. Medium für kulturelle Nahversorgung für Tirol by Alexandra Bröckl

Das Projekt MOLE ist erst ein Jahr alt (die erste MOLE erschien im Oktober 2009) trotzdem hat sich schon sehr viel getan und es war (und ist gerade immer noch) sehr spannend an der Projektentwicklung teilzuhaben. Meine Aufgabe war die Organisation und Durchführung von zwei Workshops zum Thema Kulturjournalismus  (online/offline und Veranstaltungsjournalismus), die Betreueung der Online-Ausgabe der MOLE http://molekultur.at/ sowie den ein oder anderen Artikel zur Online-MOLE beizusteuern (z.b. über das Kulturcafe Propolis).  Wie Kulturarbeit halt ist, ist das Tätigkeitsfeld recht breit gefächert. Das geht von kreativen Texteverfassen bis zum nächtlichen Flyerverteilen, vom mühsamen Veranstaltungskalendereingeben bis hin zu spannenden Konzeptschreiben für Förderanträge. Alles dabei. Wer Interresse hat melde sich unter info@molekultur.at

Kunsthistorisches Museum – Schloss Ambras by Hemma Übelhör

Europäische Ethnologie trifft Kunstgeschichte! Arbeitete an der Ausstellungskonzeption und als Assistenz bei den Sonderausstellungen 2010 mit. Sehr kompetente und freundliche Betreuung durch das ganze Team, das sehr bemüht war, mir alle Bereiche umfassend zu zeigen…war ein bisschen schwierig da rein zu kommen, ist aber auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man sich für Ausstellungsorganisation interessiert! Praktika werden, so weit ich weiß, nicht offiziell angeboten.

Vorarlberg

Caritas Flüchtlingshilfe, Bludenz, by Claudius Ströhle

Arbeit ist sicher von der Stelle abhängig (ich war bei der mobilen FH in Bludenz): Betreuung von verschiedenen Flüchtlingsheimen mitgestalten (Deutsch lernen helfen, Kinderbetreuung, Tee- und Kaffeekränzchen veranstalten, Ausflüge machen usw.), Akten einsortieren, wobei man Zeit bekommt, diese auch zu studieren, um einen Einblick in das Asylwesen zu bekommen. War eine sehr spannende Erfahrung – ich durfte unzählige Gespräche mit Asylwerber_innen führen und somit den Alltag etwas besser verstehen lernen. Praktikumsplätze werden angeboten, Bezahlung ist so 300 Euro im Monat.

Oberösterreich

Bifeb) – Bundesinstitut für Erwachsenenbildung, St. Wolfgang by Iris Hafner

Ich absolvierte ein Praktikum in der Erwachsenenbildung. Die Wochen waren so geplant, dass ich alle Bereiche des Institutes kennen lernen konnte und trotzdem wurde auf meine Anliegen eingegangen. Auf meinen Wunsch hin wurde ich ins Bibliothekswesen eingeführt. Außerdem durfte ich bei der Gestaltung der vierteljährlichen Zeitschrift „Programm aktuell“ mithelfen. Das Institut bietet Aus-und Weiterbildungsangebote an und gestaltet inhaltlich Lehrgänge mit unterschiedlichen Kooperationspartnern. Ich durfte in allen Bereiche mitarbeiten und konnte mich überall einbringen, was auch erwünscht war.
Ich habe mich persönlich beworben. Ansonsten einfach auf der Homepage informieren!

Deutschland

Bonn – Haus der Geschichte und Verein an der Synagoge e.V. by Valeska Flor

falls mal wer lust hat etwas ‘weiter’ zu fahren für ein praktikum, würde ich bonn empfehlen und zwar zum einen das haus der geschichte und zum anderen der verein an der synagoge. beides sehr gute stellen und sehr interessante stellen – mit ausstellungsarbeit, forschung, archiven, besucherdienste, etc. (beim verein ist das natürlich alles sehr viel kleiner). wohungssuche sollte auch ok sein: entweder fragt man beim studentenwerk der uni bonn nach oder man sucht sich eine wg-wohnung (preise sind zum teil nur die hälfte von dem, was man in ibk zahlt).

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Diskussionen

18 Gedanken zu “Praktikumsstellen

  1. Tirol und Umgebung
    Jobsuche: Jobtips für Studienabgänger der EE Innsbruck
    by Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil.

    Teilergebnisse einer Untersuchung im Juli 2015 über Erwartungsbilder von Bedarfsträgern (15 im Raum ganzes Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Oberbayern; Einrichtungen und Unternehmen, welche EE-Absolventen bei Bedarf anstellen würden) laut Berufsbildern der Curricula der VK und EE seit Herbst 2013.
    Vorgehensweise der Untersuchung: Themenumreißung bei Einstellungsbefugten: Bereitschaft zu Einstellung bei Bedarf für eine mehrere Fachbereiche berührende kulturelle Tätigkeit mit einschlägigem Uni-Abschluss und auf welcher Ebene – induktive Erhebung der Forschungsfrage („was ist dabei wichtig?“): grundsätzliches Erwartungsbild bzgl. „kulturelle Tätigkeit“ – dann: teilerzählende Befragung – kernsatzmäßige Zusammenfassung der Wichtigkeiten je nach Berufsfeldern nach den Kriterien Übereinstimmung, Tendenz, augenfällige Begründetheit, Randständigkeit, Widerständigkeit (= zusammenfassende Erwartungsbilder) – Deutung der Bedarfsträger nach Orientierung auf Studieninhaltsmodelle (z.B. neuere Curricula, klass. Volkskunde, Schwerpunktmodell etwa nach Alltags-, Fest- und Populärkulturen) – Auslegende Deutung der Entsprechung von Erwartungsbildern mit Modulinhalten, Inhalts- und Zielbeschreibungen von LV in den Curricula der EE IBK seit Herbst 2013 – ergänzende Befragung: welches Studieninhaltsmodell bietet welche Wahrscheinlichkeit einer Anstellung bei Bakk. bzw. Master („A“ oder „B“)? – ausscheidende Begründungen – Zusammenfassung der Erwartungsbilder als Muster gemeinschaftlicher Bedarfsträgerhaltungen.
    Anmerkung: Die Ergebnisse der Untersuchung sind noch nicht vollständig ausgewertet; daher nur ein vorläufiger Auszug; diese Ergebnisse sind jedoch bereits feststehende aussagekräftige Vergleichswerte zum Verständnis (Geertz). Da die Forschungsfrage induktiv ermittelt wurde, ist das Literaturtriangel dann nur vergleichend, nicht begründend; kann es auch nicht sein, da dies deduktiv wäre. Die von mir angeregte Selbstbeforschung des Faches gibt es bislang nicht. Die Studentenschaftsvertretung der EE IBK hat zu Beiträgen in diesem Blog aufgefordert.
    Vorläufiges zusammenfassendes Gesamtergebnis der Bedarfsträger-Erwartungsbilder als Jobbewerbungsempfehlung (Einzelergebnisse im nächsten Beitrag):
    1) Vertieftes Breiten- und Einzelwissen im klassischen Kanon.
    2) Fähigkeit, im jeweiligen Anforderungsbereich Wichtigkeiten eines anzusprechenden Publikums im populärkulturellen Bereich objektivierbar zu erfassen.
    3) Fähigkeit der Interessensweckung bei einer breiten Öffentlichkeit hinsichtlich alternativer populärkultureller Angebote des Kanons.
    4) Fähigkeit zu methodisch einwandfreier gutachterlicher Stellungnahme auf Grundlage von fachspezifisch breiter Sachkenntnis.
    5) Bakk.-Abgänger könnten zwar eingestellt werden, aber nicht auf Akademiker-Ebene; es gibt keine Bewerbungsvorteile gegenüber allgemeinbildender höherer Schule; auch keine Gehaltsvorteile, weil auf dieser Ebene Spezialeinschulung genügt. Der Bakk.-Absolvent kann die Anforderungen eines Generalisten weder im Wissens-, noch im organisatorischen Bereich erfüllen, vor allem nicht im Breitenwissen des Kanons; auf dieser Ebene würde auch kein Generalist erwartet werden. Man will in diesem Bereich, wenn überhaupt, einen als Akademiker allgemein Anerkannten (Bakk. – Absolvent wird von den Bedarfsträgern nicht so gesehen).
    Welchem Studienmodell geben die Bedarfsträger bei Anstellungen in Master- und Doktoratsbereich der EE den Vorzug?
    Der Schwerpunkt in den Präferenzen liegt bei der Absolvierung des Studienangebotes einer klassischen Volkskunde, tendenziell schwerpunktmäßig im Bereich von gemeinschaftlichen Verknüpfungen wie Fest-, Feiertags -, religiöser oder Arbeitervolkskunde. Randständig auch Jugendkultur, kontroversiell Urlaubskultur, einleuchtend begründet aber immer Gegensätzlichkeiten zur sog. Hochkultur. Populärkultur insgesamt (etwa unter Einschluss auch der Sachkultur im Alltag, Identität in Verknüpfung mit dem Gegenständlichen: Mechanismen der Aufrechterhaltung von Identität, Gemeinschaftsausprägungen im Verhältnis zu Verwandtschaft und Nachbarschaft). Übereinstimmend: Neuere Curriculas erfüllen kaum die Erwartungshaltungen von Bedarfsträgern in den definierten Berufsbildern. Mehrheitliche Empfehlung der Bedarfsträger: Ausrichtung des Studiums auf umfassende Sachkenntnis des klassischen Kanons; Modulerfüllung nur als Nebenziel; kanonrelevante Sachkenntnis auch in anderen Studienangeboten erwerben; die Abschlussarbeit sollte gutachterliche Expertisefähigkeit im Kanon zeigen; insbesondere traditionelle Lebensverhältnisse wie Brauchtum, Feste, Wohnen, Handwerk, Arbeits- und Freizeitgestaltung.
    Einzelauswertung folgt in weiteren Beiträgen.

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 17/08/2015, 11:29
    • Sehr geehrter Herr Grill,

      vielen Dank für Ihren Beitrag! Da er in der Rubrik Kommentare leider nicht viel Beachtung finden wird, dürfen wir Sie bitten, uns Ihren Beitrag (gern etwas länger und schon mit den sicherlich interessanten Einzelauswertungen) in einer Worddatei an die Email-adresse der Studierendenvertretung zu schicken. Dann können wir ihn als eigenen Beitrag veröffentlichen und erscheint direkt auf der Startseite. So ist er durch die Kommentarfunktion auch offen für eine Diskussion.

      Im Sinne des Mediums „Blog“ können Sie natürlich die Sprache wählen, die Ihnen am passendsten für Ihren Beitrag erscheint. Vielleicht wollen Sie manche Sätze noch etwas ausformulieren, damit Ihr Beitrag mehr Leser*innen erreicht?

      mit freundlichen Grüßen

      Verfasst von lizzylangstrumpf | 17/08/2015, 17:12
  2. An die Spitze der Untersuchungs-Einzelauswertung stelle ich eine qualitative, zu Curriculas und Modulen widerständige, signifikant-pointierte, aber den Anspruch der Verallgemeinerungsfähigkeit erhebende Äußerung eines zu beruflicher Anstellung bei einem einschlägigen Bedarfsträger Befugten (Teilverschriftlichung der Erzählbefragung). Gleichzeitig ist es dem geäußerten Anspruch entsprechend ein Muster kollektiver Haltung der Bedarfsträger: „ Ich habe den Eindruck, dass ganz allgemein die Module nicht dem entsprechen, was zu einer Anstellung in unseren Bereichen geeignet wäre. Ich meine das so: nicht einmal zu einer Anstellung auf der Maturaebene. Ein Bewerber würde sich schwer tun, klarzumachen, dass der Inhalt der Module den Anforderungsprofilen einer Ausschreibung entspricht. Sie haben die Berufsbereiche in den Curriculas angesprochen: Da bin ich der Meinung, dass das, was ich vorher gesagt habe, auch für die anderen Berufsbereiche zutrifft. Ich habe ja Kontakt mit meinen Kollegen und die Bewerber machen ja die Runde. Ich habe mir von Bewerbern Inhalte von Modulen und Lehrveranstaltungen zeigen und erklären lassen. Ich kann da nicht ablesen, was da für eine konkrete Sachkenntnis vermittelt wird. Konkret: In der beruflichen Praxis geht es nicht um Festschreibung von Lehrmeinungen im Sinne von Positionen. Ich habe auch den Eindruck, dass oft ein gut klingendes Modul mit allem Möglichen aufgefüllt werden kann. In der beruflichen Praxis in unserem Fachbereich geht es schlicht um die Beherrschung von Sachgrundlagen mit ihren geschichtlichen und sozialen Beziehungen. Man muss erklären können, was etwas, das man sehen, oder halten oder schmecken oder so kann, so geworden ist und welche Bedeutung zum Beispiel ein ganz bestimmter Gegenstand, den man kennen muss, im Zusammenleben hat. Oder auch: welche menschliche Haltung des Zusammenlebens sich dabei ausdrückt. Ich möchte das auch so sehen: in dem, was man wahrnehmen kann, drückt sich auch eine Geisteshaltung aus und deshalb ist das auch immer eine Erklärung für die Art und Weise des Zusammenlebens einer Gemeinschaft und umgekehrt. Deshalb genügt es einfach nicht, nur beispielhaft das eine oder andere Wahrnehmbare aus dem Blickwinkel der Gegenwart zu sehen, wie man es gerade braucht. Die Dekonstruktion wird da oft und leicht zur Destruktion. Ich sehe in den Modulen eine Vielzahl von Lehrveranstaltungen, die aus meiner Sicht vor allem konzeptmäßiges Vorgehen einüben sollen. Bei den meisten Modulen fehlen mir aber schon vorausgehende Vermittlungen von Sachgrundlagen, nämlich auf breiter Grundlage. Erst dann könnte man profund an Konzepte herangehen.
    Das sind Sachen, wo sich ein Bewerber schwertut, wenn er Sachgrundlagen mit ihren geschichtlichen und sozialen Verknüpfungen nicht ausreichend kennengelernt hat.
    Noch zur Bewerbung möchte ich sagen, weil sich da so viele schwertun: Ich gebe zu, dass die im Curriculum angeführten beruflichen Bereiche in den Entscheidungsbereichen für die Anstellung durch Personen besetzt sind, die meistens – zumindest auch – die klassische Volkskunde oder ähnliche Fachbereiche absolviert haben. Deshalb ist es wichtig für einen Bewerber, sich breit und tief im sogenannten Kanon auszukennen, das sind Bereiche wie Bräuche, Wohnen, Kleidung, Religion, Arbeit, Gemeinschaft, traditionelle Bindungen, Bauen, Landwirtschaft und Gewerbe in ihren traditionellen Bindungen usw.
    Ich greife nur zwei Beispiele heraus, warum sich etwa Bewerber schwertun: er hat z.B. nicht gelernt, welche Attribute Heilige haben und warum sie in diesem Zusammenhang verehrt werden und warum es da z.B. Wallfahrten gibt und wieso diese gerade so und nicht anders ausgeprägt sind. Oder z.B. Häuser oder Kleidung: wie sind sie, welche regionale Differenzierungen gibt es, was sind die Gründe der Differenzierung. Das sind vielfach Überlieferte Ordnungen, deren Zusammenhänge ein Bewerber kennen muss. Das sind ja nur zwei Beispiele, aber ich finde auch für eine Vielzahl von Beispielen keine geeigneten Module oder Beschreibungen von Lehrveranstaltungen. Wenn aber ein Bewerber solches nicht erklären kann, fällt er bei mir beim Einstellungsgespräch mit Sicherheit durch.
    In unseren Berufen sind wir eben in der Kultur ganz allgemein verhaftet. Ein bekanntes Zitat besagt, dass Kultur im Wesentlichsten das über die Generationen Weitergegebene ist. Deshalb sage ich auch Überlieferte Ordnungen, obwohl das natürlich nicht alles ist. Aber das muss man eben anhand der Geistes- und Sachkultur beherrschen und erklären können.“
    Diese Interviewübertragung also am Beginn der Einzelauswertung und zum Einstieg für die Studien- und Berufsplaner!
    Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil.

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 11/09/2015, 18:33
  3. Achtung bei Jobsuche oder Bewerbung: Absolventen oder Studenten scheinen oft unter Anschrift einer volkskunderelevanten Institution oder Unternehmung auf, sodass der Eindruck entstehen kann, dass dort oder in einer anderen ähnlichen Einrichtung ein adäquates Tätigkeitsfeld zur Bewerbung offenstünde. Hier ist Vorsicht geboten, da die Angabe des akademischen Grades oder einer bestimmten Qualifikation einer solchen Person nichts über die tatsächlich ausgeübte Wertigkeit aussagt. Das kann durchaus eine lediglich maturawertige oder C-wertige Hilfstätigkeit sein. Auch bei Zusicherung von einstufungsmäßiger Veränderung bleibt man dann erfahrungsgemäß häufig auf lange Zeit oder für immer auf einer nicht der Qualifikation entsprechenden Einstufung hängen. Daher bei einer Bewerbung immer die Akademiker-Wertigkeit und die vergleichbare adäquate gehaltsmäßige Einstufung abfragen!
    Beste Grüße,
    Norbert

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 23/10/2015, 21:23
    • Norbert, das ist ein interessantes Thema. Es wäre gut wenn das in einem eigenen Blogbereich der Ethnospherein zu diskutieren wiel Lizzy das oben in einem Kommentar schon vorschlägt.

      In Zusammenhang mit Jobs/Arbeitsmarkt/Berufsaussichten und Ausbildung gibt es eine bemerkenswerte Studie der Humboldt-Universität zu Berlin: „Verbleibstudie des Instituts für Europäische Ethnologie, Berlin 2012“.

      Hier der Link zum gesamten Studie:
      https://www.euroethno.hu-berlin.de/de/perspektiven/orientierung/verbleibstudien/verbleibstudie-2012

      Die Autor_innen Friedrich von Bose und Sabine Imeri kommen zu folgendem Gesamtfazit (hier nur die Schlussfolgerungen der Studie, Seiten 61 bis 63 zitiert):

      Zitat Anfang:

      „Gesamtfazit

      Der Überblick über die von Europäischen Ethnolog_innen ausgeübten Tätigkeiten zeigt
      schon auf den ersten Blick, wie breit das Berufsspektrum der Absolvent_innen des IfEE
      ist. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass viele zwei oder mehr Tätigkeiten
      gleichzeitig nachgehen, häufig im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses mit zusätzlicher
      Arbeit als Selbständige oder in gleichzeitiger Tätigkeit für verschiedene Arbeitgeber.

      Das Modell eines „Normalarbeitsverhältnisses“ ist für Absolvent_innen des IfEE
      eher die Ausnahme. Auch mit Blick auf die erzielten Einkommen wird hier vor allem
      sichtbar, dass oftmals ein Job nicht reicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Insofern
      müssen wir die teils besorgniserregenden Befunde der alten Studie von 2003 – anders
      als erhofft – bestätigen: Wie für andere Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler_innen
      auch sind die Bedingungen für Europäische Ethnolog_innen auf dem Arbeitsmarkt
      weiterhin schwierig und scheinen sich die Einkommen auf längere Sicht vor allem
      in den niedrigen Einkommensstufen (1000 bis 1500 Euro brutto) zu stabilisieren.
      Die Einkommensverhältnisse sind für viele auch bei Vollbeschäftigung – ob in einem oder in
      mehreren gleichzeitig ausgeübten Jobs – prekär. Die sich bereits 2003 deutlich abzeichnende
      Tendenz, dass Arbeitsbiografien kaum noch langfristig planbar sind und sich die
      Absolvent_innen immer wieder auf veränderte Lebenssituationen mit den damit einhergehenden
      Zumutungen von u.a. einer unsicheren finanziellen Situation und dem kontinuierlichen
      Zwang zur Mobilität einstellen müssen, hat sich also eher verfestigt.

      Diese Ergebnisse sind problematisch und es verwundert nicht, dass viele der Befragten
      ihrer Frustration über den Arbeitsmarkt für Europäische Ethnolog_innen teils sehr deutlich
      Ausdruck verliehen haben. Gleichwohl lasten nur sehr wenige die oft schwierige Situation
      dem Studium selbst und einer fehlenden „Anwendungsbezogenheit“ an – im Gegenteil:
      Viele bedauern, dass die erlernten Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt zum Teil
      als wenig „wert“ erachtet werden und sehen darin vor allem strukturelle Gründe.
      Gleichwohl würde sich ein Großteil der Absolvent_innen heute wieder für Europäische
      Ethnologie als Studienfach entscheiden, wohl auch, weil die Gesamtzufriedenheit trotz
      anhaltend schwieriger Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt vor allem dann hoch ist,
      wenn die ausgeübte Tätigkeit in einem studiumsnahen Berufsfeld stattfindet.
      Die wichtigsten Qualifikationen, die Europäische Ethnolog_innen in ihren Berufsfeldern
      fruchtbar machen können, liegen weniger in einem Fachwissen über spezifische Gegenstände
      als vielmehr in methodischen Kompetenzen und einer besonderen kulturanalytischen
      Perspektive auf gesellschaftliche Phänomene. Eine explizit thematische Nähe zwischen
      Studium und Erwerbsarbeit ist hingegen in weniger Fällen vorhanden – es kommt
      eher selten vor, dass im Studium erarbeitete thematische Expertisen in entsprechende
      Tätigkeitsfelder führen. Dies wird jedoch nicht als Defizit bewertet, im Gegenteil: Es sind
      die in ganz unterschiedlich thematisch zugeschnittenen Seminarkontexten erlangten
      Analysefähigkeiten, die im Rückblick als der größte Wert des Studiums für das Berufsleben
      betrachtet werden.

      Positiv bewertet wird dabei von vielen, dass diese Kompetenzformen
      flexibel handhabbar sind und in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern zur Entfaltung
      gebracht werden können.

      Gut die Hälfte der Befragten hat das Studium der Europäischen Ethnologie nicht mit
      Blick auf ein konkretes Berufsfeld begonnen, ein Großteil der Absolvent_innen jedoch
      schätzt den Studienabschluss für den beruflichen Werdegang als formal notwendig ein.
      Die Haltung gegenüber dem Primat der „Verwertbarkeit“ eines kulturwissenschaftlichen
      Studiums wird dabei auch im Rückblick von einem großen Teil mit Skepsis betrachtet.
      Dennoch haben die Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt bei vielen dazu geführt, dass sie
      heute mehr Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt erwarten würden – rückblickend wird
      eine stärkere Verknüpfung europäisch-ethnologischer Kompetenzen mit konkreten Qualifikationen
      für den Arbeitsmarkt eingefordert. Über das „wie“ einer solchen Verknüpfung
      gehen die Meinungen hingegen auseinander.

      Die Ergebnisse dieser Verbleibstudie können einen guten Eindruck darvon vermitteln, in
      welchen Berufsfeldern Absolvent_innen der Europäischen Ethnologie tätig sind und auf
      welchen Wegen sie seit ihrem Studienabschluss dort hingekommen sind. Auch über die
      – leider oft prekären – Bedingungen, unter denen Europäische Ethnolog_innen ihren Lebensunterhalt
      bestreiten, haben wir viel erfahren. Zusammen mit den rückblickenden
      Einschätzungen des Studiums, die uns in vielem bestärkt haben, sind diese Ergebnisse
      für uns eine wichtige Diskussionsgrundlage darüber, wie das Studium der Europäischen
      Ethnologie weiterhin strukturiert werden kann und welche Schwerpunkte wir dabei
      setzen wollen. In zukünftigen Studien wird es stärker darum gehen müssen, Einblicke in
      die Berufserfahrungen der Bacherlor- und Masterabsolvent_innen zu bekommen. In der
      Zwischenzeit wird das neu angekurbelte Alumni-Netzwerk dabei helfen, den Kontakt
      zwischen Absolvent_innen und Studierenden zu stärken und einen regeren Austausch
      über Berufsperspektiven auch im Währenden zu ermöglichen.“

      Zitat Ende.

      Viele Grüße,
      Christian

      Verfasst von technohabitus | 17/12/2015, 21:44
      • Kommentar zu Die Presse 19./20.12.2015, Bildung K7, 2. Halbseite; (entgeltliche) Anzeige; Titel: Begegnung: Das Fremde im Eigenen:

        Es gibt in der VK/EE – man staune- hin und wieder auch Heiteres: In der und durch die Präambel, die offensichtlich vom Interviewer stammt (dort kommt der Interviewte nicht zu Wort), ist es dem Interviewer doch glatt gelungen, den Interviewten aufs Eis zu führen. Letzterer hat den falschen Ball aufgenommen und zur Grundlage seiner Antworten gemacht, wodurch das weitere Wechselspiel von Fragen und Antworten nicht einer ins Komische tendierenden Ironie entbehrt: Verallgemeinernd heißt es nämlich in der Präambel u.a.: „Kultur entsteht seit jeher aus dem Aufeinandertreffen von Menschen unterschiedlicher Herkunft“. Soweit es sich nicht um Herkunft im engeren Lebensbereich handelt (was im Kontext offensichtlich nicht gemeint ist), ist die Behauptung im Blickwinkel wesentlich historischer Argumentation der VK/EE schlichtweg falsch: Ägypten, Sumer und China sind schlagende Beispiele, wobei diese Kulturen ohne wesentliche Kontakte für sich standen und für sich gesehen keine vergleichbar hoch entwickelten Kulturen als Nachbarn hatten. Bestes Beispiel sind die unabhängig voneinander stattgefundenen Parallelentwicklungen; wie z.B. die Schrift; Einfälle von außen hinterließen kaum nennenswerte Spuren. Selbst der Eingottglauben war eine Eigenentwicklung Ägyptens (Echnaton), was von dort aus erst in die Nachbarschaft ausstrahlte, aber z.B. auch nicht durch dortige Aufnahmen sondern durch Vertreibung arbeitsunwilliger, aber kulturmitnehmender Fellachen (Hätte Ramses II die Hebräer nicht vertrieben, sondern wären sie wie biblisch beschönigend umgeschrieben – „ausgezogen“: die ihnen bis zum Hindernis für die Rückkehr folgenden Ägypter hätten sie selbst nach Wochen leicht einholen und zur Rückkehr zwingen können, ganz abgesehen von anderen Ungereimtheiten). Neben Eigen- und Parallelentwicklungen ist das Hinaustragen, nicht das Hineinnehmen, Wesensmerkmal für kulturelle Vorgaben. Unvergleichlich überwiegend war das Hinauswirken etwa auch bei Phönikiern und Griechen und ist es auch – weltweit gesehen – bei der neuzeitlich – abendländischen Kultur. Der schwankende Boden des Interviews schwankt nochmals und noch stärker, wird doch die materielle Seite der Kultur völlig ausgeblendet: Kultur als prozedurale Wechselwirkung von Person und materieller wie immaterieller Sache (vgl. CI., 1,8 et 2, 13 sq: actiones – isuactum, usus – inter personas et res).
        Die Parallele zur Reifensteiner Knappendönsen – Kontroverse zwischen Ilg und Dörrer ist frappant: der Erstere sei einst angeblich einem Fremdenführerscherz aufgesessen, und nun die Parallele in einer Eigen-Anzeige.

        Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 28/12/2015, 12:01
  4. Du triffst den Nagel auf den Kopf! Danke, Christian, insbesondere für den Literaturhinweis. Den von Lizzy vorgeschlagenen Blog-Bereich haben wir leider noch nicht, daher muss ich bezüglich meiner Empirie-Initiative zumindest zum Teil auf die Kategorie …. Jobsuche im Studenten-Blog der VK/EE IBK verweisen.
    Damit für das Folgende der Zusammenhang mit dem im Studenten-Blog unter …. Jobsuche von mir Dargestellten deutlicher wird, gebe ich in der Folge zunächst den Volltext meiner Anfangs-Initiative vom November 2013 hier ein, zumal die zwischenzeitig „neuen“ und die seinerzeitig „alten“ Studenten via VK/EE IBK keine Kenntnis davon mitgeteilt erhielten. Im Klartext: seitens des Faches forderte man Beiträge zur Neugestaltung des Curriculums für das Masterstudium ein. Dem kam ich nach, der Vorschlag wurde jedoch offensichtlich ignoriert, weil er vermutlich nicht in die „Korrektheit“ passte: siehe das dann im heurigen Frühjahr erstellte Curriculum im Vergleich zu den Ergebnissen meiner Empirie als Folge dieser Ignoranz, aber auch insbesondere zu Deinem Berliner Beitrag (dort Erwartungsbilder der Bedarfsträger, hier Aussagen von Betroffenen, die nicht den Erwartungsbildern entsprechend ausgebildet wurden). Eine gesellschaftsverändernde Tendenz in solchen nicht getätigten Berücksichtigungswürdigkeiten ist m. E. unverkennbar, nach dem Motto „wenn nichts Anderes da ist, wird man sie schon nehmen müssen und sie werden dann eben das nicht Nachgefragte hineintragen“. Eine solche dringend vermutete Auffassung geht aber an den empirischen Realitäten vorbei: In meiner Eingangs-Initiative bin ich – und das stellte sich in der Empirie als Irrtum heraus – davon ausgegangen, dass Bakk-Absolventen nachgefragt werden. Zur erhobenen Relativierung verweise ich auf die Kategorie …. Jobsuche der Empirie: kaum bessere Aussichten als Maturanten.
    Ist Ignoranz ein fachbezogener wissenschaftlicher Diskurs?
    Im Übrigen, wenn ich immer wieder VK schreibe, so versteht sich dies im Sinne von Volkskunde gemäß Titel der Zeitschriften für VK, sohin durchaus im Sinne unseres Fachbereichsleiters, der ja dort offensichtlich im Sinne dieser Volkskunde führend redaktionell tätig ist; ich zeige hier bewusst den Bezeichnungswiderspruch Eigenbegrifflichkeit „EEIBK – Unterwerfung unter den Bezeichnungswillen in der Gesellschaft für VK – Erfordernis, sich publizistisch in der Konkurrenz der Enge in den VK-Publikationsmedien einbringen zu wollen/zu müssen, und das publizistische Feld doch wieder in der so gewollten Volkskunde für die VK/EE IBK aufzubereiten, auf. Welchen Sinn macht es, die VK abzuschaffen, wenn man sich im selben Atemzug der Begrifflichkeit derselben in den einschlägigen Publikationsmedien unterwirft. Zum Näheren über die diesbezügliche Tendenz verweise ich auf meinen Kommentar zu Quellenrelevanz. Nur nebenbei: da wird auch häufig das „Europäisch“ weggelassen und stiftet damit terminologische und fachliche Verwirrung).
    Und gar nicht nebenbei: Versuchen in ihrer Diktion weltanschaulich Selbstpositionierte nach 68er Manie(r) in gesellschaftsverändernder Absicht den Willensinhalt der VK-Gesellschaften zu bloßen Worthülsen zu machen, indem sie in andere Richtung Tendierendes publizistisch unterschieben und so die Worthülse zum nützlichen Vehikel für das Vorgenannte zu machen, aber sich auch gleichzeitig Medien für Seitenpublikationsverpflichtungen zu sichern?
    Aber nun der Volltext meines vom Fach eingeforderten und dort ignorierten Vorschlages vom November 2013.
    Vorbemerkung: Ein Ziel des Bakk-Studiums ist, einen möglichst raschen Einstieg in das Berufsleben nach einem vergleichsweise kurzen Studium zu ermöglichen. Andererseits muss Ziel jeder universitären Ausbildung sein, dem Studierenden die Voraussetzungen zu vermitteln, ein dieser Ausbildung entsprechendes Einkommen zu erzielen. Konkret: positions- und gehaltsmäßig als Akademiker eingestuft zu werden („A“). Dies betrifft den öffentlichen wie privaten Bereich. Bei einem 6-semestrigen Bakk-Studium wird zumindest in Österreich diese Erwartungshaltung nicht erfüllt, da diesfalls die Entlohnung und gehaltsmäßige Einstufung als Maturant erfolgt („B“). Der einzige Mehrwert für ein 6-semestriges Bakk-Studium besteht im Beruflichen darin, dass der Bakk-Absolvent in „B“ eher aufgenommen wird als der Maturant ohne diese Ausbildung. Der B-Nachteil bleibt aber lebenslang. A-wertige Einstufung mit Bakk-Studium ist im Wesentlichen dann gewährleistet, wenn – wie in etlichen Studienrichtungen – das Bakk-Studium auf 8 Semester erweitert wurde. Damit ist jedoch der Sinn des Bakk- Studiums (wie eingangs dargelegt) konterkariert.
    Zum Masterstudium: Das Erwartungsbild A (öffentlich und privat) konzentriert sich daher bei 6-semestrigen Bakk-Studien sowohl bei den Bedarfsträgern, als auch bei den Absolventen zwangsläufig auf einen Masterabschluss, dies schon deshalb, weil ein 6-semestriges Studium allenfalls Grundlagen vermitteln kann, nicht jedoch die Erfordernisse der im Studienplan definierten Berufsbilder abzudecken vermag. Dies muss dann notgedrungen dem Masterstudium zufallen. Aus Grundlagenvermittlung im Bakk und beruflicher Erwartungsbilderfüllung ergeben sich m. E. zwei grundlegende Erfordernisse; dies unter der Voraussetzung, dass – was derzeit als sicher angenommen werden kann – das Bakk-Studium nicht auf 8 Semester in der Volkskunde Innsbruck (EE) erweitert wird:
    formal: Da die Grundlagenvermittlung als getätigt vorauszusetzen ist, hat es weder für einen Berufs-, noch für einen Wissenschaftsorientierten viel Sinn, weiterhin PS und VU absolvieren; man ist nicht mehr in einer Einlernphase! Der Schwerpunkt müsste m.E. auf höherqualifizierter (VO-) Wissensvermittlung, SE 1) und kleinen, vor allem praxis-, insbesondere berufsorientierten Projekterarbeitungen liegen, wobei eher die Projektierung und die Ablauforganisation zu betonen wären und nicht so sehr die Ergebniserzielung.
    Inhaltlich: 2) Die Module des Masterstudiums sollten die definierten Berufsbilder widerspiegeln, wie sie in den Studienplänen aufscheinen. In diesem Zusammenhang wären in einem Selbstbeforschungsprojekt zunächst die Erwartungsprofile der Bedarfsträger zu erheben, um Passgenauigkeit zwischen Erwartungsbild und Modulinhalt zu gewährleisten. Die Erwartungsbilder der Bedarfsträger müssten laufend auf den neuesten Stand gebracht und den Studenten aktiv und umfassend vermittelt werden, schon als korrespondierende Argumentationshilfe bei Bewerbungsgesprächen. Von etlichen Personalverantwortlichen habe ich in der Vergangenheit immer wieder gehört, dass Volkskundler gesucht, die Bewerber die EE aber nicht als Volkskunde erklären oder gar „verkaufen“ konnten. Die Personalverantwortlichen waren nämlich davon im Vorverständnis geprägt, dass die meisten der in Nachfolgebezeichnungen der Volkskunde Tätigen in Medien mit der Titulierung „Volkskunde“ publizieren, oder sich gerne (so diese Meinungen) diese Begrifflichkeit zur Vermittlung vielfältiger Inhalte zunutze machen. In diesem Zusammenhang gehe es für den Einstellungsbewerber häufig darum das Spannungsfeld zwischen begrifflichem Erwartungsbild des Personalverantwortlichen und Einordnung des Studieninhaltes in dieses Erwartungsbild auch verbal zu überwinden. 3) Nach Aussagen der von mir kontaktierten Personalverantwortlichen wird zumindest in Westösterreich von den Bedarfsträgern nach dem genannten Überbegriff nachgefragt. Meines Erachtens müssen sich die modulmäßig verarbeiteten Berufsbilder und Anforderungsprofile nicht unbedingt streng nach den Studienplandefinitionen oder den Erwartungsbildern der Bedarfsträger ausrichten: Nach den Ergebnissen des Selbstbeforschungsprojektes könnten u. U. auch variierte oder neue Berufsbilder erarbeitet werden, mit welchen der Studienabgänger sich darstellen kann.
    Zum vorgeschlagenen Selbstbeforschungsprojekt: Um Erwartungsbilder transportieren zu können, wäre zunächst erforderlich, zu erheben, unter welchem Titel bzw. unter welcher Begrifflichkeit Bedarfsträger nachfragen (Eingangshürde!). In einem zweiten Schritt könnten bei den Bedarfsträgern inhaltliche Wichtigkeiten des Erwartungsbildes erhoben werden. Da es hier um inhaltliche Beschaffenheiten geht, würde sich eine qualitative Vorgangsweise anbieten. Insbesondere für die Gewichtung der Inhalte in den Modulen wären m. E. Prioritäten herauszuarbeiten, sich im Sinne einer Abstufung der Wichtigkeiten äußernd, was wiederum eine Quantifizierung vor allem umfangmäßiger Art in den Modulen bedeuten würde. Diese Quantifizierung erfordert demnach eine quantitative Methode in der Erarbeitung der Prioritäten. Das Projekt ist deshalb notwendig, weil die Vorbemerkungsüberlegungen zur Verlagerung der Berufsorientiertheit in das Masterstudium zwingen.
    Schlussbemerkung: Laufende Anforderungs- und Inhaltsanalyse dienen in ihrer Prozesshaftigkeit der Schärfung des berufs- und wissenschaftsorientierten Profils des Faches. Erhebung des Erwartungsbildes ermöglicht eine bedarfsorientierte objektivierte Inhaltsbestimmung des Faches mit oder ohne übergeordnete Begrifflichkeiten. Maßgeschneiderte Argumentationshilfen ermöglichen breitere Besetzungen in A-Wertigkeiten als es bislang der Fall war. Ausbildungsgerechte Entlohnung und berufliche Positionierung steigern auf der personellen Schiene ebenfalls das Ansehen des Faches. Das hilft auch, den Ballast der Vergangenheit abzuschütteln. Und: wie anders kommt man qualitativ-methodisch sauber als signifikantes Beispiel an begründbare verallgemeinerbare (Jeggle) Wichtigkeiten heran, um andere qualitativ zu begründete Vergleichbarkeiten besser verstehen zu können (vgl. Geertz u.a.)?
    P.S.: Ich folge der grundlegenden Kulturtheorie von Gaius, I., 1,8 et 2, 13 sq (actiones – iSv actum, usus – inter personas et res).

    1) In diesem Stadium doch wohl nur von Habilitierten als LV-Leiter.
    2) Die neuere Geschichtswiss. (vgl. heute unzutreffend: Jeggle in Brednich, Grundriß 3 (2001), 53 ff; insofern auch überholt: Bausinger, Zs. f. VK 61 (1965), 177 ff) geht im Gegensatz zu den rebellischen Assistenten von Falkenstein schlüssig davon aus, dass nicht die VK vom NS, sondern umgekehrt der NS von der VK vereinnahmt wurde. Das wird diesem Studium zu verarbeiten und zu implementieren sein. Daher werden auch viele persönliche Verantwortlichkeiten in der VK und nicht in der Verstrickung mit dem NS zu sehen sein. Allerdings auch im Zusammenhang damit, dass zwar nicht der NS, aber sehr wohl die VK eine tiefe Verankerung in der hiesigen Bevölkerung hat, schon zum Ausdruck gebracht durch die Nutzanwendung von „Volkskunde“ durch die Protagonisten anderer Fach-Wortschöpfungen.
    3) Vorschlag: LV „Repetitorium im Kanon“.

    Konkret nun zur zitierten Zusammenfassung der Berlin-Studie, Deinem überaus begrüßenswerten und für die Studierenden der VK/EE geradezu wörtlich lebenswichtigen Beitrag:
    Auf die Erwartungshaltungen der Bedarfsträger kann in der Studie nur indirekt geschlossen werden. Das wäre jedoch näher herauszuarbeiten, da es für eine gezielte Berufsvorbereitung – für welche Bakk und Master stehen – unerlässlich ist, nicht nur die Berufsfelder in den Curriculas zu benennen, sondern Module und LV-Inhalte den zu erhebenden Erwartungsbildern entsprechend zu gestalten. Es scheint hier in der Zusammenfassung eine unrichtige Schlussfolgerung angestellt zu werden: die Mehrfachtätigkeiten sind keinesfalls eine Folge des breiten Berufsspektrums, da sich die Mehrfachtätigkeiten auf außerfachliche Bereiche beziehen. Die Äußerung besagt in Wahrheit, dass das im Studium Vermittelte nur für eine Teilzeitbeschäftigung im Facht „reicht“. Diese Auffassung wird dadurch gestützt, dass die einschlägigen Curriculas etwa kaum den Tätigkeitsbereich eines Selbständigen abdecken. Die Ausnahmssituation eines Normalarbeitsverhältnisses deckt sich offenbar großflächig (Berlin- Tirol und Umgebung) mit dem empirischen Ergebnis, dass abgesehen von der fachlichen Einordenbarkeit – ein Maturant in Konkurrenz mit einem Bakk-Absolventen tritt. Wenn „ ein Job nicht reicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten“, so heißt das nichts Anderes, als dass VK/EE-Absolventen gleich welchen Abschlusses lediglich für Hilfstätigkeiten herangezogen werden, sohin ein lediglich punktuelles Abdecken von Erwartungsbildern erfolgt. Das niedrige Einkommensniveau spiegelt eine gewisse Unbrauchbarkeit der Absolventen wider und das wiederum die Passungenauigkeit des Studiums in seinen Inhalten. Bei einem Bruttoeinkommen von „bis zu“ 1500 Euro muss der Aufwand eines Studiums unter dem Existenzsicherungsaspekt als wertlos angesehen werden. Da muss man den Studenten aber auch zu Beginn schon ganz deutlich sagen, dass es sich um eine brotlose Kunst handelt und der Student das Studium lieber als reine Persönlichkeitserweiterung udgl. auffassen soll, denn die Personaldecke der Uni ist in der Regel zu dünn für eine in Aussicht zu nehmende Versorgungsanstalt. Soll dann gar ein Habilitierter bei Auslaufen eines Vertrages eine Hilfstätigkeit mit 1500 Euro brutto ausüben? Die angesprochene Tendenz der kaum planbaren Arbeitsbiografie ist zu hinterfragen: Planbarkeit beginnt mit der Kenntnis von Erwartungsbildern von Bedarfsträgern, und dann bei der Erfüllung derselben. Module und LV-Inhalte – so auch mein empirisches Ergebnis – ermöglichen kaum eine erwartungsbildgemäße Flexibilisierung des Studiums, selbst wenn man die Erwartungsbilder kennt. Erhebung und Vermittlung von Erwartungsbildern ist aber nicht Aufgabe des Studenten, sondern ureigenste Aufgabe des Faches, nicht eine in die Prekarität mündende Gesellschaftspolitik zu betreiben. Zwang zur Mobilität im Weg über Prekarität kann wohl nicht ernsthaft als gesellschaftspolitisches Ziel gesehen werden, selbst wenn ein Curriculum unbrauchbarer Art als Vehikel gesehen wird. Die offensichtliche Diskrepanz zwischen Kenntnis der Erwartungsbilder und Prekarität drückt sich in der Einschätzung der Anwendungsbezogenheit aus: in wenig selbstkritischer Art erfolgt eine Schuldzuweisung an die Bedarfsträger. Offenbar fälschlich wird der Eindruck im Studium vermittelt, das dort Vermittelte sei mit dem Arbeitsmarkt kompatibel und man brächte alle Voraussetzungen mit. Gehalt, Teilzeit und Prekarität geben dann die ernüchternde Antwort, insgesamt eine dubiose Flucht in angeblich strukturelle Gründe. Gesamtzufriedenheit bei Tätigkeit in einem studiumnahen Berufsfeld, wie konstatiert, bedeutet Übereinstimmung von Studieninhalt und Erwartungsbild; das dürfte aber wohl eher die Ausnahme sein, sonst gäbe es die vorgenannten Negativbefunde nicht. Die Aussage der Fruchtbarmachung von Qualifikationen weniger im Fachwissen als in methodischen Kompetenzen und kulturanalytischer Perspektive decken sich keineswegs mit der Sicht der Bedarfsträger. Es dürfte sich hier entgegen meinen Erhebungen bei Bedarfsträgern entweder um ein Wunschdenken, eine falsche Meinungsvermittlung an der Uni oder eine Anpassungsverweigerung handeln. Von Seiten der Bedarfsträger ist nach meinen Erhebungen nicht erwünscht, dass Expertisen in deren Bereich hineingetragen werden, sondern im betreffenden Bereich selbst zum Nutzen dieses Bereiches erstellt werden können, und auch die Bereitschaft besteht, Zielvorgaben im beruflichen Bereich zu verinnerlichen. Wenn Analysefähigkeiten von den Absolventen durchwegs als positiv gesehen werden, so muss dies immer auch vor dem Hintergrund von Analyse im Sinne von Gutachtenserstellung gesehen werden. Das subjektive Empfinden der Analysefähigkeit bringt nur dann nach dem Ergebnis meiner Empirie für den Bedarfsträger etwas, wenn für den zum Gutachten gehörigen Befund ein profundes Fachwissen eingebracht werden kann. Dies wiederum steht im Gegensatz zur ebenfalls lediglich subjektiven Auffassung der Probanden, Fachwissen sei weiniger bedeutungsvoll. Analysefähigkeit als Kompetenzform wird zwar in verschiedenen Berufsfeldern nicht volkskundlicher Art auch von Bedeutung sein; es handelt sich aber dabei wohl um eine Hilfskompetenz, um der völligen Prekarität zu entgehen. Zudem ist nicht näher dargestellt, dass und wie Methodenbeherrschung Voraussetzung für gutachtliche Analysefähigkeit sein soll. Die Probanden übernehmen sich wohl ein wenig, wenn sie Methodenbeherrschung in „unterschiedlichen Berufsfeldern“ behaupten. Nicht einmal das wird normalerweise im VK/EE-Studium vermittelt. Die von mir befragten Bedarfsträger konnten kein einziges Beispiel nennen, bei welchem ein Bewerber oder noch nicht lange im Berufsleben fachspezifisch methodisch korrekt ein Gutachten erstellen konnte. Diese Notwendigkeit wurde bei den von mir befragten Bedarfsträgern aber wiederholt verlangt. Wenn Verwertbarkeit des Studiums in der Praxis skeptisch gesehen wurde, so lässt dies in Rückkoppelung auf das Erwartungsbild der Bedarfsträger den Schluss zu, dass es viele Bedarfsträger aufgegeben haben, überhaupt Verwertbares zu verlangen und zu lukrieren, da es nur vereinzelt im Studium vermittelt wird, Diese allgemeine Beklagung zieht sich durch alle Bedarfsträgerbefragungen meinerseits.
    Die Zusammenfassung in einer Notwendigkeit der Neustrukturierung deckt sich insofern mit meinen Intentionen, als ich dies schon 2013 formuliert habe. Der Weg über Absolventenbefragung hinsichtlich ihrer Erfahrungen im Berufsleben ist m. E. allerdings ein mühsamer und vor allem verspäteter, da der Umsetzungsprozess in neue Curriculas die derzeit und in nächster Zukunft Studierenden nicht mehr erfasst. Bedarfsträgererhebungen sind hingegen bei vorläufiger Aufrechterhaltung der Module in den LV-Inhalten leichter und schneller umsetzbar. Aus meiner Sicht in der Beurteilung der Berliner Erhebung zusammenfassend und mit den eigenen Erhebungen vergleichend kann vorläufig (meine Erhebungen sind noch nicht vollständig ausgewertet) festgehalten werden: Für beruflichen Erfolg materieller und ideeller Art ist primär bei den Bedarfsträgerhaltungen anzusetzen, zumal die Befragung von Absolventen wie gezeigt ein erhebliches Maß an Widersprüchlichkeiten und Kontraproduktivitäten aufweist. Die VK/EE IBK hat diese studentenfördernde Möglichkeit vor Curriculumerstellung für das Masterstudium vertan. Es ist zu befürchten, dass die Erwartungsbilder der Bedarfsträger in ihrer Ausformulierung des Ergebnisses nichts mehr nützen und leider dann das Ergebnis für die Absolventen mit einiger Wahrscheinlichkeit so aussieht wie in der Berliner Studie. Hineindrücken von Gesellschaftspolitik, wenn wie bei „Berlin“ Studenten das Nachsehen haben? Deduktion (Durchsetzung von konstruierten Modellen) gegen Induktion (Basiswichtigkeiten)?

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 28/12/2015, 11:55
    • Beim Beitrag, beginnend mit: “ Du triffst den Nagel auf den Kopf ! Danke, Christian …. wurde vergessen voranzustellen: „Kommentar zu technohabitus (Christian) vom 17.12.2015.“

      Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 01/01/2016, 20:15
  5. Kommentar: Zur Quellenrelevanz von 68-er Zeitschriften am Beispiel „Eltern“ März 1986, S. 80 ff: verallgemeinbar (Jeggle) für viele Texte dieses oder ähnlichen Genres mit der im Folgenden abgebildeten Tendenz.

    Für den Großteil des Textes tue ich mir schwer, Belege zu finden. Es ist für mich auch nicht so leicht, themenbezogen die Zeit um 1986 zu rekonstruieren. Es werfen sich daher aus dieser Sicht Fragen zur Quellenrelevanz auf. Aber: wenn man den Beitrag als Versuch sehen will, die Gesellschaft (teilweise) zu formen, oder ein Anleitungsmuster für Verhalten zu geben, so könnte man darin eine Musterhaftigkeit von Sehnsüchten und Wünschen in der Gesellschaft sehen, weil vieles im Text schlicht evident (unmittelbar einsichtig) erscheint und wegen dieser Evidenz unwidersprochen bleibt. Insofern könnte man sagen, dass der Zustand des Tiefen Verstehens (Geertz) erreicht wird. In der Einordnung als kulturwissenschaftlicher Quelle wäre der Text mangels durchgehender Nachweise m. E. bestenfalls als Sekundärquelle zu sehen, von der Methodik her qualitativ weich. Bei der Auswertung ergibt sich wohl das Problem, dass zunächst die einzelnen Aussagen in Ursprung und Ableitung zitierfähig gemacht werden müssten. Das Betrifft im Übrigen auch eine allfällige Rücksprache bei den im Text zitierten Akteuren, falls diese noch greifbar sind. Alles das macht m.E. eine Verwertung als Quelle doch eher beschwerlich und es fragt sich, ob sich nicht der Weg anböte, den Text lediglich als Quelle für (gegenwärtige) Fragestellungen zu sehen, wobei dann bei der weiteren Beantwortung etwa im Sinne des Triangels weiter vorzugehen wäre. Das wäre aber dann m.E. eine deduktive Vorgehensweise, weil die Wichtigkeiten der Akteure durch den Text präjudiziert würden, weshalb aus dieser Warte in einem ersten Schritt zunächst induktiv zu überprüfen wäre, inwiefern die im Text thematisierten Wesentlichkeiten mit den Befindlichkeiten einer breiten Akteursbasis übereingestimmt haben. Bei selber Vorgangsweise für die Gegenwart könnte sich zusätzlich ein Bild des allfälligen Wandels von Sichtweisen kollektiv verfestigter Art seit 1986 ergeben, dies aber nur dann, wenn die Akteursbefindlichkeiten im Text zunächst für 1986 verifiziert sind. Sohin setzt das eingangs Thematisierte (insbes. Formungsabsicht) die Übereinstimmung des für 1986 zu Verifizierenden mit der zu erhebenden Gegenwartsbefindlichkeit voraus. Aber die historische Argumentierung in der Methodik ist allen späteren Ausformungen der früheren Volkskunde im weiteren Sinn (etwa im Sinn der Zeitschriften für Volkskunde) gemeinsam.
    Aus sozialkonstruktivistischer Sicht (die ja bekanntlich notwendige Vorgabe der VK/EE IBK ist) wäre zu untersuchen, inwieweit die allfällige Formungstendenz des Jahres 1986 (oder auch spätere Formungstendenzen) das heutige Verhalten bzw. die heutigen kollektiven verhaltenszielgebenden Befindlichkeiten von den seinerzeitigen themenbezogenen Medialisierungen „gemacht“, sohin konstruiert wurden, sohin durch mediale Vermittlung möglicherweise reflexartig durch Evidenz in die Alltagspraxis Eingang gefunden haben könnten. Unter diesem Gesichtspunkt wäre der Text sehr wohl eine Quelle, nicht nur im obigen aufzubereitenden Sinn.
    Zu alldem wäre aber auch zu bedenken:
    Die Rechtsordnung ist ein kulturelles Programm, daher sind auch die Bausteine der Rechtsordnung Teile des kulturellen Programms; ein solcher Baustein (oder Bauprinzip) ist die Gestaltung der Beziehung Mensch – Sache (iwS: materiell und immateriell: „was dem Gebrauch des Menschen dient“ iSv Gaius I., 1,8 et 2,13 sq: actiones – iSv actum, usus inter personas et res, was den Wesenskern der Kultur ausmacht, – was in http://www.uibk.ac.at/fsp-Kultur/ geflissentlich übergangen wird und notwendigerweise zu einer Unvollständigkeit und Schieflage führt).
    Der Erfolg bzw. die Qualität dieser Beziehung drückt sich im wirtschaftlichen Erfolg aus. Im Vergleich D – F ist der wirtschaftliche Erfolg in Deutschland größer, daher auch das Modell Person-Sache, damit auch Zuordnungspräferenzen im Arbeitsprozess und damit der Kinderbetreuung erfolgreicher.
    Daher erscheint für die Frage etwa der Neuen Väter wesentlich: Hat sich dieser Formungswunsch in D durchgesetzt? Insofern sind Durchsetzungsfragen sowohl Fragen der Rechtsordnung im obigen Sinn, als auch Fragend es wirtschaftlichen Erfolges und somit Fragen der Überlegenheit eines gesellschaftlichen Gestaltungsprinzips. Daher nochmals die Frage der Quellenrelevanz kulturwissenschaftlicher Art (kulturwissenschaftliche Quelle hier für den Erfolg eines Systems, aber nur iZm Verifizierung):
    -bei Nichtdurchsetzung: Überlegenheitsindiz eines Systems: die Nicht- durchsetzung des Modells „Neue Väter“ spricht für die Beibehaltung der familiären Zuordnungen und wesentlich größerer Wertschöpfung der Männer im Arbeitsprozess; der Männer allein als in F Männer und Frauen zusammen, alles unter Berücksichtigung der Frauen im Arbeitsprozess. Und: sind Neue Väter sowohl in D, als auch insbesondere in F in den jeweiligen Arbeitsprozesslagen überhaupt möglich?
    – bei hypothetischer Durchsetzung: weshalb ist das System in D trotzdem erfolgreicher ? Die Frage stellt sich eigentlich nicht, weil sich die arbeitsprozedurale zeitliche Beanspruchung bei Männern in D nicht geändert hat, vielmehr in F Frauen durch die Entlastung in der Kinderbetreuung einen Mehrwert gegenüber D erbringen müssten, was jedoch nicht verifizierbar ist.
    „Erfolgreich“ bedeutet im obigen Zusammenhang insbesondere hinsichtlich wirtschaftlicher und kultureller Folgewirkungen: weil es den Menschen gut geht.

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 28/12/2015, 12:02
  6. Ich rege an, in diesem „Blog“ der VK-Studenten einen gesonderten Meinungsbildungspunkt (Kategorie, Kriterium, oder wie immer man das bezeichnen will) „Volkskundlich – Europäisch – Ethnologischer Diskurs“ einzuführen.

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 18/02/2016, 08:41
  7. Als weiteres Einzelergebnis zur Jobsuche weise ich auf meine Ausführungen hin und insbesondere auf die Erwähnung hinsichtlich Erwartungshaltungen der Bedarfsträger zur Fähigkeit, gutachtlich Expertisen erstellen zu können.
    Als Beispiele für den Zweck derartiger Fähigkeiten weisen Bedarfsträger auf folgende Beispiele der erforderlichen Nutzanwendungen hin: Ortsüblichkeiten in zivilrechtlichen Angelegenheiten; im Zusammenhang mit Bauführungen: traditionelle Bauweisen und Ortsbilder; weiters: Gebräuchlichkeiten bei Bringungen; bei ortsüblichem Handelsbrauch: Verbindlichkeiten etwa von Einwilligungen im wechselseitigen Verständnis; bei Delikten: entschuldigende Sozialadäquanz iZm mit Bräuchen (z.B. bei körperlichen Übergriffen bei Polterabend, Krampus, „Stehlen“ von symbolträchtigen Gegenständen. Nach Meinung der Bedarfsträger (übereinstimmend) muss der Bewerber bezüglich Gutachten beherrschen (Mindesterfordernisse):
    1) die Technik der Gutachtenerstellung, insbesondere schlüssiger Aufbau des Gutachtens
    2) für den Befund: breite und tiefe Sachkenntnis der Materie.
    3) für die gutachterliche Schlussfolgerung: Beherrschung des Ausscheidungsverfahrens im Sinne der Fragestellung.
    4) Fähigkeit des Denkens in Alternativen auf Grundlage breiter Sachkenntnis (hier meinen die Bedarfsträger sinngemäß die Beherrschung des Kanons) zum Zwecke der Erörterung des Gutachtens und Beantwortung sachorientierter Fragestellungen.
    Betont wird bei den Bedarfsträgern die Wichtigkeit der Sachkenntnis im Sinne des Kanons, die bei mündlicher Gutachtenserörterung sofort abrufbar sein muss, dies wegen häufig unvorhergesehener Fragen; daher breite Sachkenntnis auch über das vorbereitbare Gutachtensthema hinaus.

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 19/03/2016, 20:00
  8. Die Bedarfsträger wurden bei der Befragung mit der Problemstellung des zeitlichen Beginns einer Bewerbung im Verhältnis zum Stadium der Studienphase und des Studieninhaltes einerseits und den Konkurrenzverhältnissen bei der Einstellung andererseits konfrontiert: Sinngemäß lässt sich im Wesentlichen übereinstimmend zusammenfassen: Auch wenn der Bedarf auf Absolventen mit zumindest Magister (sic!) – Abschluss abzielt, wäre es zweckmäßig, zunächst Breitenstoff – Lehrveranstaltungsbenotungen in möglichst den Kanon abdeckender Weise zu „sammeln“, sich dann zu bewerben und nebenberuflich das Studium weiterzuführen. Das hätte den Vorteil, dass der Bewerber für den Bedarfsträger fachlich risikofrei sofort eingesetzt werden könnte und allfällige Formalhürden gesetzlicher Art minimiert wären. Weiters wäre die Schwierigkeit mit zweifelhaften Modulinhalten und unbrauchbaren Themenstellungen und Inhalten bei Diplomarbeiten eher gering. Das Problem der Beurteilung zweckentsprechender Qualifikation und der Bevorzugung trotz gleicher Formalbefähigung würde geringer ausfallen. Der lebensplanungsmäßig zu vernachlässigende Nachteil wäre die Einstellung in geringerer Gehaltsstufe bis zum Abschluss des Studiums, was jedoch durch die vorweggenommene Einarbeitungsphase aufgewogen würde. Außerdem würde bei der Überstellung in das Akademiker-Gehaltsschema bzw. beim diesbezüglichen Gehaltssprung die Bedeutung der Diplomarbeit (soweit sie überhaupt verwertbar wäre) minimiert.

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 20/03/2016, 21:55
  9. Es folgen nun Detailergebnisse aus der Erwartungsbilderhebung der Bedarfsträger bei Volkskunde/EE-Studienabgängern. Einleitend allgemein: Wie schon ausgeführt, fragen die Bedarfsträger bei Anstellungsmöglichkeiten im akademikerwertigen Bereich durchwegs nicht Bakk-Absolventen nach; diese fallen in der Regel in das Anforderungs- und Gehaltsprofil von Maturanten (Abiturienten). Daher ist sowohl für Bedarfsträger, als auch für Bewerber in erster Linie das Master-Curriculum von Interesse. Die Bedarfsträger der Erhebung stellen insgesamt ihr Erwartungsbild zu den Modulen des neuen Master-Curriculums der VK/EE Innsbruck in das nachgefragte nachstehende Verhältnis. Es handelt sich bei der Darstellung des Ergebnisses um ein kernsatzmäßiges Gesamtergebnis bezüglich aller im Curriculum angeführten Berufsbilder. Das Verhältnis der jeweils einzelnen Curriculum-Berufsbild-Repräsentanten zu den jeweiligen Modulinhalten laut Curriculum folgt daher in einer weiteren Detailauswertung. Gesamtauswertung und Repräsentantenauswertung geben sohin einen Einblick in die Brauchbarkeit der Erfüllung der Module bei der Jobsuche als Spiegelbild zu den Erwartungsbildern. Beide Auswertungsvorgänge folgen den in der früher dargelegten methodischen Kriteriendarlegung. Die Chronologie folgt den Modulen des Curriculums.

    Verfasst von NORBERT GRILL, DR. IUR. ET CAND. PHIL. | 25/03/2016, 08:27
  10. Zu den Erwartungsbildern von Bedarfsträgern an Studienabgänger der Volkskunde/EE (und gleichbedeutende Studienrichtungen) bei Bewerbung zu einer Anstellung, nach den definierten Kriterien zusammengefasst und den Modulen des Curriculums „Master“ zugeordnet:

    Modul 1: Nach einhelliger Auffassung der Bedarfsträger greift Modul 1a zu kurz. EE sei die Nachfolgerin der klassischen Volkskunde und decke den Zeitschnitt seit etwa 1970 ab. Das Anforderungsprofil sei aber in erster Linie die klassische VK und deren Kanon. Irritierend für die Bedarfsträger ist die unterschwellige Vereinnahmung der „klassischen Volkskunde“ für Zwecke der „EE“, wobei mehrheitlich die Auffassung vertreten wird, dass der „EE“ eine Kontinuität zur klassischen Volkskunde unterschoben werde. In der Nachfrage stellte sich heraus, dass die Vertreter der Bedarfsträger genau über die Entwicklung des Fachbereiches informiert sind. Den Bruch sehen die Bedarfsträger fast einhellig in der „kritischen Auseinandersetzung mit der Fachtradition“. Auf Nachfrage wird auch teilweise die typizitierende Auffassung vertreten, die nunmehrige Vereinnahmung erinnere frappant an die Vereinnahmung der VK durch das NS-Regime. Die vorgenannte angebliche (Fach-)Tradition sei eine Unterschiebung. Die „kritische Auseinandersetzung“ sehen die Bedarfsträger in deutlicher Tendenz als Aufforderung zu einer „zersetzenden Sicht“ (wie mit verallgemeinerungsfähiger schlagender Argumentation dargetan wurde). Pointiert wird die Meinung vertreten: Für einen positiven beruflichen Werdegang sei ein positives Bekenntnis zur Fachtradition erforderlich. Sohin sei Bekenntnis zum und Kenntnis des Kanon berufliche Voraussetzung. In konkreter Sichtweise auf den Modulinhalt: Zusatzbestrebungen der EE seien zwar interessant, aber verzichtbar, soweit aus dieser Richtung „Hilfestellungen“ aufgedrängt werden (die häufige sinngemäße ablehnende Erwähnung dieser Bestrebungen deutet auf eine klare Kenntnis inhaltlicher Art von „Falkenstein“ hin; auf Nachfrage wurde das mehrheitlich bestätigt). Randständig sieht man hier einen Versuch gesellschaftspolitischer Formung. Als Mangel in der Zieldefinition des Moduls wird vor allem die vage Konkretisierung gesehen: einerseits hinsichtlich der zeitlichen und fachlichen Abgrenzung (siehe zuvor); andererseits die mangelnde Benennung von Schlüsselbegriffen ebenso wie der angesprochenen „theoretischen und methodologischen Kenntnisse“. Überhaupt sehen die meisten Bedarfsträger das Operieren mit Schlüsselbegriffen kritisch (was noch präziser nachgefragt werden müsste). Demgegenüber fordern sie massiv Anwendungsfähigkeit breiter Sachkenntnisse statt „Operieren in Wortklaubereien“ (sic beispielhaft; in diesem Sinn auch andere Bedarfsträger: der Text des Moduls wurde allen zur Kenntnis gebracht). Bedarfsträger- Erwartungsbilder (Berufsbilder lt. Master-Curriculum VK Innsbruck zusammengefasst)

    Modul 2 Teil 1: Einhellig positiv beurteilen die Bedarfsträger den ersten Halbsatz der Lernzielbestimmung mit Ausnahme von „kritisch“. Statt dessen fordern sie „vergleichend“ ein, dies mit der qualitativ-evidenten Begründung, dass „kritisch“ nicht oder nicht ausreichend die historische Breite und Tiefe der VK abdecke, sondern sich die Gefahr der herausgegriffenen Einzelfallkasuistik ergebe. „Kritisch“ sei nach dieser Sicht insofern unausgewogen und berufshindernd, als dieser Begriff gesellschaftspolitisch überladen sei, und die Definition dieser Begrifflichkeit den Seminarleitern via Benotung willkürlich obliege. Dadurch entstehe wissenschaftsfremder Anpassungsdruck mit der Gefahr ideologischer Verfestigung. Das Hineintragen derselben in die Berufspraxis wird mit einer Fülle von Argumenten (welche noch in der Auswertung näher zu reflektieren wären), in der Tendenz einheitlich, abgelehnt. Ein qualitatives Hauptargument ist jedenfalls, dass es nicht dem Neueinsteiger obliege, die Richtung des Tätigkeitsfeldes zu bestimmen. Die Versiertheit in fremdsprachiger Ausdrucksfähigkeit (lebend fremdsprachig, aber auch Verständnisfähigkeit historisch-lateinisch) sehen die Bedarfsträger durchwegs als begrüßenswert, dabei stellte sich in der Auswertung jedoch heraus, dass mehrheitlich der Fokus auf VK im deutschsprachigen Raum liegt; diesbezügliche Vergleichstexte lägen jedoch zur Genüge in Übersetzung vor. Für den beruflichen Bereich genüge in der Regel das schulisch Erlernte im Digitalbereich, sodass dieser Teil des Moduls als „Überflüssiger Platzraub“ (sic! m.E. randständige Formulierung) gesehen wird. Sofern nicht „vergleichend“ anstatt „kritisch“ formuliert werde, wäre nach Auffassung der Bedarfsträger „Standortbestimmung“ als Abgrenzung, ja häufig als Herabsetzung zu bzw. von wissenschaftlichen Meinungen der historischen VK zu verstehen. Allerdings wird hier auch die dagegenstehende Meinung vertreten, dass EE erst seit etwa um 1970 existiere und daher Vergleich und damit Standortbestimmung wegen der zeitlichen Überschaubarkeit an Bedeutung verlören; für den Berufseinstieg sei der klassische Kanon ausschlaggebend; exponiert qualitativ, aber impizit auch für die Mehrheit sprechend: „Die EE ist halt etwas Anderes“.

    Zu Modul 2 (Auswertung der Bedarfsträgerhaltungen iZm Mastercurriculum der VK/EE Innsbruck) Teil 2: Gender und Macht werden tendenziell als Reminiszenzen an die Mehrzahl weiblicher Studenten an der GEIWI bzw. an (jetzt verspätete) antiautoritäre Haltung der 68er Postmoderne gesehen, wobei der Satz 2 der SE- Definition nur schwer in den Interviews abfragbar war: es kamen häufig statt Antworten Rückfragen: was sei idZ Kultur? Oder gar Anwendungszusammenhänge von deren Positionen oder Differenzmarkierungen? In dieser allgemeinen Formulierung seien die Inhalte für den Berufswerber kaum argumentierbar; Kultur sei nicht modul-, sondern tätigkeitsfeldmäßig definiert, die Anwendungszusammenhänge müssten sich nicht nach kulturtheoretischen Positionen, sondern an den im Curriculum definierten Berufsbildern orientieren. Soweit überhaupt Antworten hinsichtlich Differenzmarkierungen einen Anlass für Auswertung boten, haben die Bedarfsträger dies als Einübung des „Auseinanderdividierens von gewachsenen Gemeinschaften“ (sic. u.a.) gedeutet, was aber als für das Tätigkeitsfeld als destruktiv und sohin als für den Berufswerber nicht vermittelbar interpretiert wurde: „ Gesellschaftspolitik dieser Art führt nicht zum Erfolg in einem Bewerbungsgespräch“ (sic u.a.) Die Bedarfsträger wollen mehrheitlich nicht Differenz als brauchbaren Modulinhalt sehen, sondern die Betonung des Gemeinsamen im Sinne einer Gesamtschau, sohin das Verschiedene als Teil eines Ganzen im Sinne des geschichtlich Gewordenen. Eine wesentliche Kritik der Bedarfsträger an diesem Modul geht auch dahin, dass fachbezogenes Arbeiten nicht als „kämpferische Missionierung“ (sic!) zu sehen sei, sondern Macht und Geschlecht aus distanziertem Standpunkt zwar im Wandel und im jeweiligen historischen Kontext zu sehen seien, jedoch ohne Parteinahme; letztere sei der Bereich des Ergebnisses eines politischen Prozesses. Dem Studenten müsse die Eigenpositionierung belassen bleiben. „Sanktionierte Hilfestellungen“ (sic!) dürfe es nicht geben; das Modul „rieche danach“ (sic!; mehrfache Einzelmeinung).

    Zu Modul 3 (Bedarfsträgererhebung; berufsbildübergreifend): Überwiegend positiv sehen die Bedarfsträger den Inhalt dieses Moduls. Stärkeres Gewicht wäre nach deren Meinung allerdings der Rolle der Begrifflichkeit und Deutung der Moderne zu geben. Qualitativ wird etwa die Meinung vertreten, dass nicht das Fach als solches einer Transformation unterlag, sondern vielmehr die Art und Deutung seiner Betrachtungsgegenstände. Für die Praxis sei wichtig, wenn der Berufswerber den Mechanismus des Eindringens von Modernisierungselementen in die Alltagspraxis deuten und erklären könne, weil – so die Meinung – vor allem dadurch eine Verfestigung einer Kulturerscheinung im Sinne von Verallgemeinerung verstehbar werde. Bei einer Bewerbung müsse das – so die Tendenz in den Antworten – für das jeweilige Berufsfeld erklärt werden können. Zusammenhänge mit postkolonialen Gesellschaften seien für den mitteleuropäischen Bereich nur beispielhaft oder irrelevant. Da die Mehrzahl der Bedarfsträger „Alltag“ als wesentlichen Forschungsgegenstand der VK sieht (wobei in der Befragung hervorgekommen ist, dass häufig „Alltag“ mit dem Leben der einfachen Leute gleichgesetzt wird), reicht nach deren Meinung die „Aufmerksamkeit auf Innovationstendenzen“ nicht aus, sondern wäre als Ziel die Erklärung der Breitenwirkungserlangung vorzugeben. Als signifikante Beispiele führten einige Bedarfsträger (qualitativ) an, Bewerber hätten etwa keine Beispiele seiner Veralltäglichung von Innovationserscheinungen mit oder ohne wesentlichen medialen Einfluss anführen können, etwa am Beispiel der seinerzeit kontroversiell diskutierten Theorie des „Gesunkenen Kulturgutes“. Eine pointierte Begründung führte an, es sollten im Modul nicht die Innovationsbereiche als Erkenntnisgegenstände angeführt werden, sondern die signifikant beispielhaften Theorien – so es solche gäbe – für den Verallgemeinerungsmechanismus dieser Bereiche. Wenn von analytischem Potential die Rede sei, so wäre – so die überwiegende Meinung – spätestens in der zugehörigen VU das methodische Instrumentarium für die Veralltäglichung von Innovationen anzubieten. Das Erwartungsbild gehe dahin, die konkreten Mechanismen beruflich umsetzen zu können, bei welchen materielle oder immaterielle Gegenständlichkeiten oder Begrifflichkeiten dann alltäglich verfestigt werden, sohin das Berufsfeld einen kulturellen Umsetzungsauftrag erfüllen könne. Ein Bewerber müsse auch den Mechanismus der Verifizierung oder Falsifizierung, der Bewährung oder Nichtbewährung einer Umsetzungstheorie, erklären können.

    Verfasst von NORBERT GRILL, DR. IUR. ET CAND. PHIL. | 25/03/2016, 08:30
  11. Bedarfsträger- Erhebung hinsichtlich Erwartungsbildern gegenüber anstellungswerbenden Studienabgängern der VK/EE:

    Zwischenergebnis der Auswertung: Als musterhafte kulturwissenschaftliche Aussage lässt sich in Rückkoppelung auf die Bedarfsträgermeinungen daher vorläufig formulieren: Die Modulinhalte sind weitestgehend aus einer Perspektive „von oben“ die kollektiven Haltungen zum Fach gestaltend formuliert. Die gesellschaftspolitische Formungstendenz, ja Tendenziösität ist kursorisch erkennbar, bedarf aber zu einer pointierten Aussage noch einer Einzelauswertung in dieser Richtung. Jedenfalls ist der nicht bedarfs- und erwartungsbildorientierte, sohin von den Berufsaussichten her abzulehnende deduktive Ansatz klar erkennbar, Gesellschaftspolitik auf diesem Weg misslinge schon deshalb, weil eben nur äußerst wenige Absolventen derart eine Anstellung bekommen und deshalb eine Breitenwirkung ausgeschlossen ist, jedenfalls für den Untersuchungsbereich. Die berufs- und erwartungsbildmäßige herangehensweise über definierte Wichtigkeiten seitens der Bedarfsträger, sohin in basisorientiertem induktivem Vorgehen, ist aus den Modulbeschreibungen nicht erkennbar. Die Untersuchung ist eine solche in statu prae professione; Vergleicht man die Berliner Ergebnisuntersuchung der dortigen VK/EE (siehe den Kommentar von und zu Christian supra) in statu in et post, so sind die Folgen für VK/EE-Abgänger des Faches in Innsbruck deutlich absehbar, ohne dass man in Einzelheiten der Module der VK/EE Berlin einzugehen braucht: die Einschätzungen der Bedarfsträger bereits vor jeglicher Bewerbung sprechen eine vergleichbare, ja noch viel deutlichere Sprache, zumal diese die beschönigende Apologie der Berlin-Abgänger (siehe meinen Kommentar im Anschluss an Christian) ad absurdum führen.

    Einzelergebnisse der Erwartungsbilderhebung für Anforderungsprofile gegenüber VK-Berufsbewerbern (soweit schon gesichert)

    Teil 1: Äußerst skeptisch ist die Sicht der Bedarfsträger auch in Hinsicht auf die Zahl der in den Modulen insgesamt abgebildeten Fachbereiche des Kanon. Explizit sei nur die Erzählforschung angeführt; in den sonstigen Modulen sei zwar Platz, weitere Kanoninhalte unterzubringen, das beruhe aber auf „Lust und Laune“ (sic!) der LV-Leiter. Verpflichtenden Kanoninhalt im Sinne von zu beherrschender Breitenkenntnis („Stoff“) gebe es nicht. Die mehrfache Rückfrage auf Grundlagen-LV des Masterstudiums und des Bakk-Studiums führte zur Beurteilung, dass bestehfalls rudimentäre Einzelkenntnisse im Kanon vermittelt würden. Das könne in der beruflichen Praxis nicht nachgeholt werden. Weitere Nachfragen bezogen sich auf den Wechsel von anderen Studienrichtungen zur VK nach anderweitig absolviertem Bakk-Studium: der Überleitungsmechanismus reiche bestenfalls aus, um das beruflich nicht ausreichend verwertbare Fachkenntnis-Niveau des VK-Bakk-Abschnittes herzustellen (dies über Nachfrage hinsichtlich der Module im Bakk-Studium VK; vgl. Zum Niveau und Anforderungs- und Erwartungsprofil Bakk- Studenten/Maturanten supra). In diesem Fall bestünden berufliche Aussichten bei Berufsbildern, die inhaltlich dem Herkunfts-Bakk-Studium nahestehen, jedoch könne dann der Master in VK kaum eine akademikerwertige Stellung und Entlohnung verschaffen. Zur Stützung der breit vorhandenen Forderung nach detaillierten und umfassenden Fachkenntnissen im Kanon sei eine m E argumentativ besonders schlüssige Begründung herausgegriffen: Berufliche Praxis sei weitgehend lösungsorientierte Auseinandersetzung mit sich aufwerfenden Fragen. Man benötige weniger eine analytische Lösungskompetenz (die m E im Vergleich in der Berliner Studie von den Studienabgängern als weitaus zu wichtig gesehen wird; jedenfalls drückt sich die dort behauptete Analysefähigkeit offenbar nicht im Gehalt – siehe die dortigen Ausführungen zur Höhe – aus oder in der beruflichen Stellung), denn der Analysevorgang sei jeweils ziemlich gleichartig und im Prinzip – etwa im, Vergleich zu anderen Wissenschaften und deren Methodik – einfach, so jedenfalls die Tendenz der Aussagen.

    Einzelergebnisse Teil 2: Zunächst sei der problematische Sachzusammenhang in größtmöglicher Breite und Dichte (m E also nicht nur „dichte Beschreibung) darzustellen, so die Bedarfsträger. Die Breite erfasse auch Nachbarbereiche; um effizient handeln zu können, müsse die Breite der Beschreibungsbereiche in den wesentlichen Fachbereichsbezügen rasch gedanklich abrufbar sein. Man könne und solle nicht immer und in allen Punkten nachschauen müssen; statt dessen ist hier breites Fachwissen erforderlich, das man eben einfach verinnerlicht haben müsse. Nach Meinung der Mehrzahl der Bedarfsträger mangelt es an der Vermittlung und konsequenten Abprüfung von „Stoff“ und dem diesbezüglichen LV-Angebot; exemplarisches Lernen genüge für die Praxis nicht. Stichprobenartige Befragung der Stellenbewerber bei Einstellungsgesprächen hätten diese Mängel klar verdeutlicht. Sodann setze ein eliminatorischer, auf die Fragestellung bezogener Ausscheidungsprozess ein, wobei dann nur die fragestellungsrelevanten, auf den sachlichen Kern hin reduzierten Elemente übrigbleiben; diese ermöglichten dann eine weitgehend schlüssige Fragestellungsbeantwortung, oder auch die Darstellung schlüssiger Alternativen für eine wertende Auswahl. Die Lösung müsse in der Regel rasch und brauchbar, breite Sachkenntnis widerspiegelnd und jederzeit mit Fachkenntnis („Stofffülle“: sic!) begründ- und verteidigbar sein. Insofern genüge die auf einen Diplomarbeitsstoff eingeschränkte Verteidigungsfähigkeit einer Abschlussarbeit nicht. Zur induktiven und deduktiven Vorgehensweise bei Erstellung von berufsrelevanten Modulinhalten ergäben sich weitergehende Meinungen der Bedarfsträger. Zusammengefasst und m E schlüssig: Hinsichtlich induktiver Vorgehensweise wären nicht nur die Wichtigkeiten der Bedarfsträger zu berücksichtigen gewesen, soweit es die Erstellung des Curriculums anlange (dies zum finanziellen und karrieremäßigen Nutzen der Bewerber), sondern auch diejenigen der Studenten, was aber nach Meinung der meisten Bedarfsträger auf Rückfrage nur nach eingehender breiter Information sinnvoll sei. Daher würden die Modulinhalte weder die Erwartungshaltungen und Bedürfnisse der Studenten, noch diejenigen der Bedarfsträger abdecken. In weiterer Folge: weil hier im Triangel die Literatur (m E nunmehr etwa die Berliner Studie) nicht in eine deduktionsorientierte Vorgabe erkennbar eingeflossen sei und auch nicht eine Basiserhebung in zu deduzierenden Prämissen eingeflossen sei, stelle sich das Curriculum als gesellschaftspolitischer Formungsversuch dar; Berufsbilder und Modulinhalte seien nicht verknüpft; keiner der Bedarfsträger sei vor Erstellung des Curriculums auf die berufliche Relevanz hin befragt worden.

    Verfasst von NORBERT GRILL, DR. IUR. ET CAND. PHIL. | 25/03/2016, 08:35
  12. Der Workmaster hat leider keine geeignete Kategorie im Blog vorgesehen für Jobsuche/berufliche Perspektiven/berufliche Anstellungen/Erwartungshaltungen von Ansprechpartnern bei Bewerbungen/Voraussetzungen für Bewerbungsgespräche/Anforderungen für Berufsausübung – alles im akademikerwertigen Gehalts- und Tätigkeitsfeld für Volkskunde/EE – Abgänger. Meine bisherigen Beiträge als Ergebnis der empirischen Untersuchung musste ich daher leider systemwidrig hauptsächlich bei Praktikumsstellen einbringen. Der aufmerksame Leser wird jedoch den Systemfehler im Aufbau des Blog sofort erkannt haben. Es bleibt zu hoffen, dass der Blog in Bälde ohne Verlust des Bisherigen entsprechend um eine geeignete Kategorie erweitert wird, denn es wartet noch eine Menge Auswertungsergebnisse der empirischen Erhebung auf Bekanntmachung.
    Außerdem darf ich bemerken, dass seitens des Workmasters die Kategorie „Volkskundlich – europ. – ethnol. Diskurs“ noch immer nicht in den Blog gestellt wurde. Ist beabsichtigt, dass vielleicht ein Diskurs (noch immer) nicht stattfinden soll?

    Verfasst von Norbert Grill, Dr. iur. et cand. phil. | 29/03/2016, 08:56
  13. Sehr geehrter Herr Grill,
    Sie können Ihre Ergebnisse gerne in Form eines eigenen Beitrages verfassen. Das Modell eines Blogs sieht es nicht vor, viele Unterkategorien einzurichten – sonst wäre es per Definition ein Forum. Falls Sie einen Beitrag verfassen möchten, schicken Sie uns einfach ein Manuskript als Word Dokument zu, dann können wir es veröffentlichen. Die Idee des Diskurses zu auf dem Blog wäre in Form von zum Thema passenden Kommentaren zu einzelnen Beiträgen gegeben. Wie schon erwähnt – viele einzelne Unterthemen würden eher zum Format eines Web-Forums passen. Wenn Sie möchten, können Sie gern ein solches erstellen, wir werden es bekannt machen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Elisabeth Waldhart

    Verfasst von lizzylangstrumpf | 18/04/2016, 20:43
  14. Da trotz meiner wiederholt vorgetragenen Bitte im Studenten-Blog keine Möglichkeit für einen EE-wissenschaftlichen Diskurs eingerichtet wurde, habe ich die Initiative ergriffen und eine solche Seite unter volkskundevielnamensfachdiskurs.wordpress.com eröffnet. Bitte beachten, dass dort die Auswertungen meiner Erhebung über die Erwartungshaltungen von Institutionen und Unternehmungen gegenüber volkskundlichen/EE-Berufseinsteigern zu finden sind. Wenn Du das Vielnamensfach Volkskunde studierst, es fortsetzen oder beenden wirst und eine berufliche Stellung in diesem Bereich anstrebst, so schau doch einfach einmal in diese neue Internetseite! Auch dann, wenn Du Dich für einen Volkskunde/EE- und Vielnamensfachdiskurs interessierst.

    Verfasst von Dr. Norbert Grill, Mag., Bakk.phil.,cand.phil | 19/06/2016, 20:22

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