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Innsbruck im Oktober

Liebes Innsbruck, Post für dich!

Liebes Innsbruck!

Es soll hier den ganzen Oktober lang ja um dich gehen. Und da jetzt Oktober ist, muss es natürlich auch einen ersten Beitrag geben. Da ich nicht da bin, dachte ich, ich schreib dir einen Brief, meine liebe Heimatstadt. Naja, Heimat, Zuhause, was ist das? Ich wohne ja schon seit sicher 8 Jahren hier, und langsam habe ich das vage Gefühl, den Begriff überhaupt erst benutzen zu können. Ist ja auch für jeden etwas anderes.

Aber ich würde sagen, du bist für mich ein Zuhause, weil ich an vielen Ecken eine Geschichte erzählen kann, Erinnerungen habe (wenn auch nicht immer schöne, natürlich), die mich begleiten, wenn ich durch die Straßen gehen. Und auch, weil ich an dich, liebes Innsbruck, denken muss, wenn ich nicht da bin. Wenn ich zum Beispiel in Wien bin, erinnert mich doch viel an dich.

Einleitung_Wörterbuch

Zum Beispiel das kleine Wörterbuch, dass ich gestern von der ÖVP geschenkt bekommen habe. In Wien sind ja bald Wahlen. Das möchte ich dir zeigen. Zu diesem kleinen Ding kann man viel sagen. Beziehungsweiße es erzählt schon viel von sich aus. Natürlich, das erste was mir einfällt ist die ÖVP im „schwarzen Tirol“ (Heiliges Land und so). Du bist ja jetzt zum Glück Grün, liebes Innsbruck, die Hauptstadt war immer schon ein wenig anders als der Rest des Bundeslandes. Ist ja auch gut so!

Aber am meisten ist es der Bezug zur Sprache, zum Dialekt, der mich an dich denken lies, als ich das Ding in die Hand gedrückt bekam. Ein Wörterbuch für den Wiener Dialekt. „Weil wir Sie verstehen“ steht drauf. Wer versteht wen? Und muss ich Wienerisch können, damit mich die ÖVP hier versteht? Oder damit mich die Leute hier verstehen?

Der Dialekt ist ja auch etwas, dass „den Innsbrucker“ (mit viel K!) ausmacht, irgendwie. Aber was ist dieser Innsbrucker schon? Eine mythische Figur? Wie soll ich mir ihn vorstellen? Trägt er Lederhosen und hat einen Bart und einen seltsamen Hut?

Aber muss man den Dialekt haben, um Innsbrucker zu sein (ohne Hut, Bart und Lederhosen)? Ich hoffe, hier bei dir braucht niemand ein Wörterbuch, um verstanden zu werden. Vielleicht, um die Leute zu verstehen. Aber am Besten es ginge ohne Wörterbuch, in allen Sprachen! Ich glaube, da musst du noch ein wenig daran arbeiten.

Es gibt auch einen bestimmten Raum hier in Wien, immer wenn ich mich darin befinde, muss ich an dich denken. Es ist eine alte Bauernstube, im Volkskundemuseum. Ähnliche Stuben kann ich ja auch anschauen, wenn ich zuhause bin, sagst du, zuhause gibt es viele davon, auch im Museum. Aber hier, ausgerechnet in Wien, muss ich besonders an dich denken.

Die Stube ist alt, und man hat sie wirklich von Tirol, aus dem tiefsten Unterland nach Wien gebracht. Irgendwie versuche ich mir immer vorzustellen, wie sie sie in den Zug verladen haben. Aber das schöne ist, man kann aus der Tiroler Stube, die jetzt mitten in Wien steht, im achten Bezirk, aus dem Fenster schauen. Direkt in die Stadt hinein, dann fährt die Straßenbahn vorbei. Das erinnert mich an dich, in Innsbruck habe ich auch oft das Gefühl, das es eine Mischung gibt aus Altem (das verehrt wird, manchmal zu viel) und Neuem (das manchmal zu wenig gewürdigt wird). Man kann dann in Innsbruck zwischen diesen Räumen wandeln, zwischen „Tradition“ und Urbanem. Manchmal findet man fast noch einen dörflichen Charakter und manchmal hat man das Gefühl: He, ich bin ja doch in einer Stadt!

Gestern war ich auch in der Stube, bei der Ausstellungseröffnung zur Ausstellung Freud’s Dinig Room (kann ich übrigens nur empfehlen!). Hier gab es eine Performance von Schayan Kazemi, Komponist und Musiker, Ton-, Klang-, Geräusch und Zeichensetzer. Moderne Kunst, tolle Musik, mitten in der alten Stube. Eine Mischung, liebes Innsbruck, die dir auch gut tun würde! Öfter einmal Altes aufbrechen um Neues zu probieren, auch einmal einfach nur zuzulassen! Hin und wieder gelingt es dir ja schon, aber es würde auch öfter gehen…

Ich freue mich, wenn wir uns im nächsten Monat wiedereinmal neu begegnen können – entdecken können, wiederentdecken können. Ich hoffe, wir können aus vielen Blickpunkten und Perspektiven schreiben, ich glaube, es gibt viel zu sagen.

Liebe Grüße von Unterwegs und wir sehen uns in ein paar Tagen wieder!

Deine

Lizzy

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