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Gedanken, Studierendenvertretung

Alltägliche Beobachtungen – die Toilette

Langsam bewege ich meine Hand zur Türklinke, drücke sie nach unten und… die Tür geht auf. Ich bin ehrlich erstaunt. Doch wohin führt sie? An welchen besonderen Ort? Ich stehe vor der Damentoilette im Untergeschoss des GeiWi Turmes. Vorsichtig luge ich ins innere – das übliche Bild einer Uni Toilette. Ziemlich sauber. Aber, warum bin ich so erstaunt? 

Noch vor kurzer Zeit hätte ich nicht gedacht, dass ich mir jemals solche Gedanken über eine offene, oder eben auch versperrte, Damentoilette machen würde. Aber nach drei Jahren Studium und den ersten Monaten in der STV ist dem wohl anders. 

Aber nun zur Geschichte: Die Toilette von der ich spreche befindet sich im Untergeschoss des GeiWi-Turmes, eines Gebäudes der Leopold-Franzes-Universität. Unweit davon befindet sich auch eine ähnliche Einrichtung – sie unterscheidet sich nur durch das Türschild und die Pissoirs im Inneren. Im selben Kellergeschoss findet sich auch der Seminarraum, der von  uns, der Europäischen Ethnologie, ihren Studenten und Studentinnen und auch den Dozentinnen und Dozenten, genutzt wird.
Ins Interesse rückte sie für mich ab dem Zeitpunkt, ab dem sie verschlossen war. Nicht einmal, ein paar Tage vielleicht, sondern für die Dauer von ganzen Semestern war die Tür oft zu. Während die Männer (oder alle, die sich soweit dem männlichen Geschlecht zuordnen, dass sie eben die andere Toilette benutzen) ohne Probleme aus dem Seminarraum huschen konnten, um sich schnell zu erleichtern, war es für Frauen schwieriger. Die nächsten Toiletten befinden sich im Erdgeschoss. Dort befinden sich auch die großen Hörsääle. Schlange stehen in den Pausen zwischen Kursen war vorprogrammiert.

Was ist das Problem an einer verschlossenen Toilette?

Nun ja, die Unbequemlichkeit steht hier sicher an erster Stelle. Aber es lassen sich auch noch andere Gedanken zu dieser Begebenheit weiterspinnen:

Man kann zum Beispiel betrachten, dass sich tendenziell immer mehr Frauen für Geisteswissenschaften interessieren als Männer. Schaue ich mich im Seminar oder in der Vorlesung um, sehe ich vor allem Frauen. Und doch wird dem auf Infrastruktureller Ebene keine Rechnung getragen. Die Toiletten waren zu. Auch sind sie gleich groß wie die Männertoiletten – wenigstens hier Gleichstellung? Oder verbirgt sich hier eine Ungleichheit, die von dieser räumlichen Gleichheit verschleiert wird? Praktisch gesehen, müsste die Damen-Toilette dann ja größer sein, wenn es mehr Studentinnen gibt als Studenten. (Das hier etwas nicht funktioniert wird ja schon anhand der Schlangen ersichtlich. Vor der Männertoilette habe ich dieses Phänomen noch sehr selten beobachtet.) 

Wenn man schon über Toiletten nachdenkt, fällt mir auch eine Aktion auf, die das Geschlechter-Bild (wenigstens die Symbole) an der LFU letztes Jahr ein wenig durcheinander gebracht hat.1 Damals waren auf einigen Stockwerken die Schilder neben den Türen, die zur richtigen Zuordnung Geschlecht <-> Toilette dienen, mit einem neutralen Symbol überklebt worden. Wer die bauliche Situation (Männer rechts, Frauen links) nicht kennt, steht vor der Wahl vor zwei gleichen Räumlichkeiten. Die räumliche Materialisierung von Geschlecht wurde in Frage gestellt. Auch wurde damit das Zuordnen-Müssen zum einen oder zum anderen Geschlecht aufgehoben – eine Handlung, die wir hier täglich vollziehen, ohne darüber nachzudenken. Wir unterwerfen uns dieser Macht der Symbole vor der Tür. 

Wenn ich über Toiletten und Macht denke, fällt mir die Schule ein. Hier gab es nicht nur nach Geschlecht getrennte Toiletten, sondern auch nach Status – es gab eigene Toiletten für Lehrerinnen und Lehrer. In bauliche Form gegossene Repräsentation von Macht. Und die Lehrer*innentoiletten waren immer sauberer und nicht kaputt. 

BTW… die Tür ist jetzt offenbar wirklich wieder offen 😉 


1 http://ag-trans-hopo.org/all-gender-welcome-toiletten/#pm

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Diskussionen

5 Gedanken zu “Alltägliche Beobachtungen – die Toilette

  1. Danke für diesen tollen Beitrag! Ich hätte auch nicht gedacht dass die Toilette jemals wieder geöffnet wird… Eine kurze Ergänzung: auch auf der Uni gibts eigene Kabinen für Lehrende

    Verfasst von Hannah | 24/11/2015, 15:06
  2. Eigene Kabinen für Lehrende? Ist mir noch gar nicht aufgefallen… Wo sind die?^^
    Ich hät auch nicht damit gerechnet, dass die ganz heimlich plötzlich wieder offen ist.

    Verfasst von lizzylangstrumpf | 24/11/2015, 15:13
    • Es gibt in (glaub ich) jeder eine Kabine, die nur mit Schlüssl zuöffnen ist, den Universitätsangestellte haben (so weit ich das beurteilen kann)… Auf jeden Fall ein Gewinn für „unseren“ Stock die Toilette! Es ist ja auch nie erklärt worden warum sie zu war

      Verfasst von Hannah | 24/11/2015, 16:04
  3. danke für den beitrag, ich hab das untergeschoss klo schon aufgegeben gehabt und nie mehr überprüft ob sie evtl wieder offen ist! 🙂 supi!

    Verfasst von Laura | 25/11/2015, 09:59
  4. Als einer der letzten verbliebenen Geiwi-Männer, muss ich hier doch aus der Deckung gehen und meinen Senf dazu abgeben:
    Für mich alles ok und alle Toiletten für alle gleichberechtigt öffnen, wie im Flugzeug. Ok, super, geht in Ordnung.
    Lizzy, aber eines musst Du mir bitte versprechen: Bitte die Pissoirs nicht entfernen, diese dienen der Beschleunigung unseres Blasenentleerungsvorganges ohne dass wir die Hosen herunter lassen müssen. Ok? 😉
    Glg, Christian

    Verfasst von technohabitus | 03/12/2015, 14:54

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